| Nicht auf Harvard, sondern auf Europa antworten |
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Wirtschaft und Wissenschaft, 1/2005 Mit einem eigenen Modell wirbt das "Tönissteiner Studentenforum" für eine vielseitige und von großer Mobilität geprägte Spitzenausbildung künftiger europäischer Führungskräfte Die Debatte um Spitzenbildung wirft immer wieder die unglückselige Frage nach der „Antwort auf Harvard“ auf. Harvard hat aber nichts gefragt! Die Frage nach Spitzenbildung ist eine europäische: Wie kann hoch begabten Europäern von Studienbeginn an ein Rahmen geboten werden, in dem sie sich zu kompetenten, verantwortungsbereiten und visionären europäischen Bürgern entwickeln? Eine nationale Universitätsbildung bietet nur unzureichende Möglichkeiten, Europa zu erfahren, interkulturelle Kommunikation zu erlernen, eine Identität als citoyen européen und schließlich eine Vision von Europa zu entwickeln. „Europa“ als Studiengang ist ebenfalls nicht hilfreich: Die Studenten kommen nicht nach Europa, sondern Europa kommt in den Hörsaal und verkommt dadurch zu einem Abstraktum der Wissenschaft. Sinnvoller ist es, ein etabliertes Studienfach in einem europäischen Kontext zu studieren. Viele Studienpostgraduelle Programme propagieren einen derartigen Aufbruch nach Europa, doch im undergraduate Bereich ist davon wenig zu spüren. Ein gewaltiges Potenzial bleibt damit ungenutzt. Folgende Leitlinien müssen ein europäisches Studium kennzeichnen:
Interkulturelle KompetenzDer Studierende sollte als Teil einer europäischen Gemeinschaft interkulturelle Kompetenz erwerben und vor allem den eigenen Standpunkt mithilfe fremder Perspektiven hinterfragen. Teil einer europäischen Gemeinschaft zu sein, bedeutet aber auch, sich inhaltlich mit den Fundamenten dieser Gemeinschaft auseinander zu setzen und mehrere Sprachen dieser Gemeinschaft zu beherrschen. MobilitätEin citoyen européen kennt vor allem die unterschiedlichen europäischen Mentalitäten, Kulturen, Lern-, Lehr- und Denkmethoden und berücksichtigt diese in seinem Handeln und Denken. Dieses Ziel erreicht nur, wer an verschiedenen Orten Europas über einen längeren Zeitraum hinweg lebt. Einheit in VielfaltEine europäische Spitzenbildung muss einerseits einen einheitlichen Rahmen bieten, Qualitätsstandards setzen und eine reibungslose Organisation sichern. Ansonsten ist aber dem dezentralen Charakter Europas Rechnung zu tragen. Die Eigenständigkeit und Vielfalt der Fakultäten muss auch weiterhin eine große Rolle spielen. UniversalitätSpitzenbildung muss einen Abschluss in einem anerkannten Studienfach bieten. Dabei müssen aber neben sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern auch Naturwissenschaften integriert und angeboten werden. Nach dem Tönissteiner Modell sollen im Rahmen einer Dachorganisation („Tönissteiner Universität“) die Studierenden ab Studienbeginn zunächst auf einem, der Dachorganisation unmittelbar unterstehenden Campus für ein Jahr zusammenkommen, um einem Grundstudium nachzugehen. Auf dieses folgt dann das Hauptstudium, in dem die Studenten ein etabliertes Fach aus den Geistes-, Sozial- oder Naturwissenschaften studieren. Das Hauptstudium umfasst drei bzw. vier Jahre und schließt mit einem von der „Tönissteiner Universität“ zu vergebenden Abschluss ab. Nach jedem akademischen Jahr wechseln die Studierenden Studienort und Land, wobei sie sich idealiter beides nach ihren Bedürfnissen individuell aussuchen können. Das Modell fordert ein paneuropäisches Netzwerk von Universitäten, die bei der Ausarbeitung der Curricula der Studiengänge und der Organisation des mobilen Studiums mit der Dachorganisation zusammenarbeiten. Dem Grundsatz der Subsidiarität entsprechend soll Letztere nur die für den reibungslosen Ablauf erforderlichen Rahmenregelungen schaffen sowie eine permanente Qualitätssicherung garantieren, während die teilnehmenden Fakultäten im Übrigen autonom das Studium mit Inhalt füllen. Auf diese Weise kann man unterschiedliche Lehransätze und Profile aus der vielfältigen europäischen Bildungslandschaft in ein individuelles Studium integrieren. Angestrebt wird, im Rahmen eines Wettbewerbs der Universitäten bzw. Fakultäten die besten für das Modell zu akquirieren. Gegenüber herkömmlichen Projekten bietet das Tönissteiner Modell ein Höchstmaß an vielseitiger Ausbildung, die mit dem Grundstudium vorbereitet wird. Letzteres besteht aus vier Säulen, die den unterschiedlichen Anforderungen eines europäischen Studiums Rechnung tragen: Sprachen, Studium Fundamentale,Studium Speciale und Projektarbeit. Während das Studium Speciale eine erste fachspezifische Vorbereitung bietet und daher auf das vom Studierenden für das Hauptstudium gewählte Studienfach ausgerichtet Das Tönissteiner Modell ist vor diesem intergrund ein zukunftsweisendes Bildungskonzept, das die Integration Europas fördert und eine europäische Antwort auf die Frage nach Spitzenausbildung gibt. |
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