Warum immer nur die anderen?
Deutsche Lehrer im Ausland, 1/2007
Zeitschrift des Verbandes Deutscher Lehrer im Ausland
Projekt Haupt- und Realschüler international
 
Das Projekt „Haupt- und Realschüler international“ des Studentenforums im Tönissteiner Kreis
von Andreas Saerbeck

Die Hauptbaustellen des deutschen Bildungssystems sind leider nicht immer die, die eine Renovierung dringend nötig hätten. Profilklassen und Elitestudiengänge prägen die Diskussion, viel wird über Ausbildung und Studium geredet, aber vernachlässigt werden bei dieser Förderung oft die, denen bereits die Wahl der Schulform oft Probleme bereitet: Real- und insbesondere Hauptschüler. Dennoch sind Förderungen natürlich möglich, insbesondere in Bereichen, in denen andere bereits Unterstützung erfahren.

Einer dieser Bereiche ist der internationale Schüleraustausch. Während es für Gymnasiasten und Gesamtschüler alles andere als ungewöhnlich ist, während ihrer Schulzeit ins Ausland zu gehen , bleibt es für Haupt- und Realschüler bisher die Ausnahme. Dabei kann Austausch auch wichtige Erfahrungen und Impulse für Ausbildung und Beruf geben. An diesem Mangel möchte die Projektguppe „Haupt- und Realschüler international“ des Studentenforums im Tönissteiner Kreis etwas ändern.

Das Studentenforum im Tönissteiner Kreis ist ein politisch sowie konfessionell unabhängiger, interdisziplinärer Think Tank deutscher Studierender mit internationaler Orientierung, der verschiedene Projekte ins Leben ruft und betreut. Er vereint Studierende aller Fachrichtungen und ist die Studentenorganisation des 650 Mitglieder zählenden Tönissteiner Kreises, der deutschen Nachwuchs international fördern möchte.

Leider gibt es – wie die Projektgruppe in einer ersten Recherchephase herausgefunden hat – verhältnismäßig wenige Austauschprogramme, die sich gezielt an Real- und Hauptschüler richten: Das Angebot von Austauschorganisationen ist zwar für Schüler aller Schulformen offen, allerdings erfolgt in der Regel eine strenge Auswahl, bei der Haupt- und Realschüler im Vergleich weniger erfolgreich abschneiden. Zudem sind die Probleme praktischer Natur: Ein Auslandsaufenthalt kostet Geld, Stipendien gibt es wenige. Auch sind die Berührungsängste größer. Was Austauschprogramme der Schulen selbst angeht, sind auch diese bei Haupt- und Realschulen eher spärlich gesäht, was oft daran liegt, dass der Lehrplan von Haupt- und Realschulen praktischer ausgerichtet ist, als dies bei Gymnasien und Gesamtschulen der Fall ist.

Dabei ist nicht einsehbar, warum ein entsprechend für Haupt- und Realschüler konzipiertes Austauschprogramm zur Ergänzung und Erweiterung des Unterrichts nicht möglich sein sollte. In einer zweiten Recherchephase hat die Projektgruppe Anfang Dezember daher begonnen, in Hauptschulen zu gehen, Schüler, Lehrer und Verantwortliche in Beruf und Ausbildung zu befragen, wie ihrer Meinung nach ein Austauschprogramm aussehen kaönnte – ob beispielsweise ein Praktikum im Ausland sinnvoller sein könnte als ein Familienbesuch – und wo genau praktische Probleme liegen. Danach wird es darum gehen, mit Unterstützern und Organisationen ein entsprechendes Paket zusammenzuschnüren.

Noch ist das Projekt also in einer Anfangsphase. Der Mangel an Angeboten ermutigt aber, weiterzumachen. Für Unterstützung, Hinweise und konstruktive Kritik ist die Projektgruppe daher immer dankbar.

 

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