Gerechtigkeit - Ideal im Wandel?

Reformüberlegungen im Gesundheitswesen

Die Kurztagung zum Thema Gerechtigkeit und Reformüberlegungen im Gesundheitswesen, die das Studentenforum in Kooperation mit der Universität Mannheim organisierte, hat am Freitag, den 2. Dezember in Mannheim stattgefunden. Insgesamt 25 Teilnehmer und die Organisatoren hatten Gelegenheit, drei Fachvorträge zu verfolgen und mit den Referenten zu diskutieren, am Nachmittag an einer interessanten Besichtigung des BASF-Werks in Ludwigshafen teilzunehmen und schließlich noch am Abend über gesundheitspolitische Themen im Rahmen einer Podiumsdiskussion zu streiten.

Im ersten Fachvortrag „Gerechtigkeitsbegriffe. Probleme ihrer Umsetzung“ gab der Soziologe Professor Johannes Berger (Universität Mannheim) eine allgemeine Einführung in grundsätzliche Gerechtigkeitsvorstellungen. Der Volkswirt Thomas Rudolf, wissenschaftlicher Mitarbeiter des gesundheitsökonomischen Lehrstuhls von Professor Oberender (Universität Bayreuth) ging anschließend in seinem Vortrag „Gerechtigkeit im Gesundheitswesen“ speziell auf das Gesundheitswesen ein, bevor Dr. Andreas Gerber, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Lauterbach (Universität Köln) die so genannte Bürgerversicherung als gesundheitspolitischen Vorschlag erläuterte.

Gesundheitspolitische Themen bestimmten die Podiumsdiskussion. Dafür standen unter der professionellen Moderation des TKlers Ilja Tüchter, Redakteur bei der „Rheinpfalz“, mit Dr. Thea Dückert (stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag mit dem Arbeitsbereich Arbeit, Wirtschaft, Soziales und Finanzen) und Prof. Dr. Ralf Uwe Peter (Leiter der privaten Klinik „Gefäß- und Hautzentrum Ulm/Blaustein“ und Mitglied des Landesfachausschusses Gesundheit der FDP in Baden-Württemberg) zwei ausgewiesene Fachpolitiker zur Verfügung.

In ihrem Eingangsstatement formulierte Dr. Thea Dückert ihre grundsätzliche Auffassung des Verhältnisses zwischen Staat und Markt im Gesundheitswesen: „Gesundheit“, so Dückert, „ist ein Risiko, welches die Gesellschaft absichern solle“. Im gegenwärtigen Gesundheitssystem gebe es allerdings zuviel „Über-, Unter-, und Fehlversorgung“. Zur Reform der Finanzierung empfahl sie das Konzept der Bürgerversicherung, auf der Ausgabenseite sieht sie hingegen nur eingeschränkte Möglichkeiten für die Politik, da hier auch die Selbstverwaltungspartner gefragt seien.

Prof. Peter sah die Situation des deutschen Gesundheitswesens weniger kritisch. Gerade im internationalen Vergleich (etwa mit den USA, dem Vereinigten Königreich oder den Niederlanden) erbringe das deutsche Gesundheitssystem ausgesprochen gute Leistungen. Wichtig für ihn sei, dass als Maßstab für die Gesundheitspolitik nicht eine Größe wie etwa die Stabilität der Beiträge, sondern die Frage „wie viel wir ausgeben wollen, um jemanden gesund zu machen“ im Zentrum stehe. Generell argumentierte Prof. Peter weniger aus der Sicht des Politikers, sondern des Mediziners, der seinen Beruf als „freien Beruf“ auffasst und auch die Interessen der Leistungserbringer zur Sprache brachte, indem er die fehlende Niederlassungsfreiheit für Ärzte, ihre – durch die aktuellen Streiks in Erinnerung gerufene – Einkommenssituation sowie die Tatsache, dass nur etwa die Hälfte der Absolventen eines Medizinstudiums tatsächlich in Deutschland ärztlich tätig werden, erwähnte. Bei der Reform der Krankenversicherung setzte sich Peter für das Modell der risikoäquivalenten Prämien mit Versicherungspflicht ein.

Einen weiteren Bericht finden Sie auch im Uni-Report der Universität Mannheim.

 

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