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Am 25. Februar fand in Berlin nach langer Vorarbeit die Konferenz „Haupt- und Realschüler International“ statt, die von der gleichnamigen Projektgruppe des Studentenforums mit Unterstützung durch den Tönissteiner Kreis, die Stiftung Mercator und den DIHK ausgerichtet wurde und einen Höhepunkt der bisherigen Projektarbeit darstellte. Lehrer, Schüler und Vertreter von Austauschorganisationen und anderer Initiativen, die sich der Förderung von Haupt- und Realschülern angenommen haben, kamen zusammen, um Formate zur Förderung der Internationalität dieser Zielgruppe zu diskutieren. Zudem wurden Möglichkeiten erarbeitet, Angebote umzusetzen und zu etablieren. Neben den Geschäftsführern und Mitarbeitern einiger großer Austauschorganisationen (u. a. YfU, AFS, ASF, Experiment), diskutierten unter anderem auch Mitglieder des Realschullehrerverbands, Vertreter der Hertie-Stiftung, der Kreuzberger Kinderstiftung und der Stiftung Mercator über die Zukunft der Angebote an Auslandsaufenthalten und internationalen Begegnungen für Haupt- und Realschüler.
Die Teilnehmer stimmten darüber ein, dass Auslandsaufenthalte und internationale Begegnungen einen wichtigen Bestandteil der Förderung von Haupt- und Realschülern darstellen. Sie vermitteln den Schülern nicht nur Sprachkenntnisse und soziale Kompetenzen, sondern verleihen ihnen auch Selbstbewusstsein und das Vertrauen, ein leistungsfähiges Mitglied der Gesellschaft zu sein, was gerade Schülern dieser Schulform aufgrund eines häufig ungerechtfertigten sehr negativen Bildes in der Gesellschaft und der damit verbundenen öffentlichen Kritik völlig fehlt. Gerade bei Überbrückungszeiten zwischen Schulabschluss und Beginn einer Ausbildung können Auslandsaufenthalte eine Möglichkeit bieten, diese Zeit gewinnbringend zu nutzen. Insgesamt trägt die Förderung der Internationalität von Haupt- und Realschülern zu einer größeren Bildungsgerechtigkeit bei.
Derzeit nehmen im Vergleich zu Gymnasiasten allerdings nur extrem wenige Schüler dieser Schulformen, insbesondere Hauptschüler, an derartigen Programmen teil, obwohl laut einer Forsa-Umfrage von AFS aus dem Jahre 2008 bei dieser Schülergruppe ein ebenso großes Interesse an Auslandsaufenthalten wie bei Gymnasiasten besteht.
Auf der Konferenz wurden verschiedene bereits bestehende Programme, die sich speziell an Haupt- und Realschüler richten, vorgestellt. Dabei wurden sowohl bestehende Probleme angesprochen als auch über deren Lösungsmöglichkeiten diskutiert. So bietet zum Beispiel die Kreuzberger Kinderstiftung Stipendien für Realschüler in Ostdeutschland für Auslandsschuljahre an, die durch die Organisationen ASF, Experiment und YfU durchgeführt werden. Experiment bietet desweiteren Schülern von Förder-, Haupt- und Realschulen die Möglichkeit eines zweiwöchigen Freiwilligendienstes in Irland. Zudem gibt es an manchen integrierten Sekundarschulen in Berlin im Rahmen des dualen Lernens verstärkt Bestrebungen, Schülern die Möglichkeit zu eröffnen, Auslandspraktika zu absolvieren. Auch intensiv betriebene Schulpartnerschaften vereinzelter Schulen bieten Möglichkeiten für Kurzzeitaufenthalte.
Der Erfolg solcher und ähnlicher Initiativen hängt entscheidend davon ab, ob Schüler und Eltern erreicht werden und unnötige Ängste, Misstrauen und falsche Vorurteile abgebaut werden können. Dafür ist sowohl der persönliche Kontakt, eine intensive Vorbereitung und Begleitung erforderlich, als auch eine breitere Akzeptanz in der Öffentlichkeit bezüglich der Wichtigkeit internationaler Erfahrungen auch für Haupt- und Realschüler. Kooperationen zwischen Schulen und Austauschorganisationen und anderen Initiativen sind in diesem Kontext von Bedeutung, ebenso die Rolle der Wirtschaft und der Ausbildungsbetriebe. Neben dem klassischen Austauschschuljahr können Kurzzeitprogramme eine wichtige Rolle spielen, um Schülern bestehende Ängste zu nehmen und bei ihnen das Interesse an internationalen Erfahrungen zu wecken. Neben einer stärkeren Akzeptanz und Unterstützung des Umfelds und Öffentlichkeitsarbeit können auch neue Formate einen Lösungsansatz bieten.
Rahmenbedingungen, die den Schülern einen Auslandsaufenthalt erschweren bzw. diesen gar verhindern, stellten einen weiteren wichtigen Diskussionspunkt dar. Probleme gibt es bei Austauschschuljahren zum Beispiel mit Visabestimmungen, die es Schülern nach der mittleren Reife den Aufenthalt in bestimmten Ländern fast unmöglich machen. Auslands-Bafög gibt es für diese Schülergruppe ebenfalls nicht, da sie die Schule mit der mittleren Reife offiziell beenden. Auch die Ausbildungsplatzsuche gestaltet sich aus dem Ausland oft unmöglich. Eine größere Unterstützung von Betrieben in diesem Bereich wäre wünschenswert. Ein Vorschlagsmodell hält Betriebe dazu an, einen Ausbildungsplatz für das darauffolgende Jahr zu versprechen, sollte ein Auszubildender vorab ein Auslandsjahr absolvieren wollen. Bei der Stipendienvergabe treten erneut Probleme auf, sollten die Familie Hartz IV beziehen. In Bezug auf die Anpassung bereits bestehender Programme stellt vor allen Dingen das Auswahlverfahren ein Problem dar: Die Erfahrung zeigt, dass Schüler der Haupt- und Realschulen häufiger eine geringere kommunikative Kompetenz aufweisen, die in den derzeitigen Auswahlverfahren das Abschneiden eines Schülers wesentlich beeinflussen kann. Wenn Schüler aller Schulformen in demselben Auswahlverfahren miteinander konkurrieren, kann dies zum Nachteil der Zielgruppe geschehen, wenn die Austauschorganisationen ihren „Qualitätskriterien“ gerecht werden wollen. Möglicherweise könnten Quoten hier Abhilfe schaffen.
Insgesamt zeigte die Konferenz, dass von allen Seiten größtes Interesse daran besteht, die Angebote an Auslandsaufenthalten für Haupt- und Realschüler zu verbessern: sei es durch gezielte Stipendien, Förderprogramme, durch Anpassung der bestehenden Programme oder durch die Schaffung neuer Formate. Jetzt gilt es vor allem, das Selbstvertrauen der Haupt- und Realschüler zu stärken, ihr Interesse an Auslandsaufenthalten zu wecken und eine effiziente Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Während der Tagung wurden bereits vielfältige Möglichkeiten der verstärkten Kooperation diskutiert und teilweise konkret zugesagt. Gerade die derzeitige Offenheit vieler Schulen für die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren sollte hier genutzt werden und bietet eine große Chance. Für alle Teilnehmer wie auch das Projektteam stellte sich die Konferenz als voller Erfolg dar.
Das Projektteam erarbeitet derzeit einen Bericht über die Ergebnisse der Konferenz, der an Entscheidungsträger und in diesem Bereich tätige Akteure versandt werden soll. Das Projektteam dankt allen Unterstützern und Teilnehmern, die diesen Erfolg möglich gemacht haben.
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